Gedanken aus der fünften Generation


Den Namen Alfred Wolfsohn hérte ich zum ersten Mal in einem Kölner Seminar von Paul und Clara Silber vom Roy Hart Center in Malérargues. Der Lehrer von Roy Hart, dem einzigartigen Stimmöünstler, war also ein Deutscher gewesen! Je mehr ich im Laufe der Zeit über den Berliner Gesangslehrer Alfred Wolfsohn, der 1939 vor den Nazis nach London flüchtete, erfuhr, um so mehr faszinierte mich dieser Mensch und seine Pionierarbeit. Da betrachtete einer die Stimme nicht mehr als "Gegenstand", als blosses Instrument. Awe, wie seine Schüler ihn nannten, sah die Stimme in ihrem kulturellen Zusammenhang, in ihrer kulturgeschichtlichen Entwicklung. Und was noch wichtiger war: Er nahm als erster die enge Verbindung zwischen Stimme und der Person, der "Seele", der sie zugehört, ernst. Er brachte die Bereitschaft mit, die eigenen ungehörten, verdrängten, die verletzlichen wie die bedrohlichen, die schönen, die "hässlichen", die "guten" und die "bösen" Stimmen zuzulassen, ihnen zuzuhören, ihnen Lebensraum zu geben und die Stimme so aus dem engen Korsett dessen, was ihr in unserer Kultur erlaubt ist, zu befreien. Die Expedition zu den unentdeckten Bereichen der Stimme trat Awe nicht allein an, sondern er ermutigte seine Schüler, ihn zu begleiten. Die Kette der Ermutigungen hat mittlerweile die fünfte Generation erreicht. Einige Ergebnisse von Awes Reisen in die unerforschten Gefilde der menschlichen Stimme sind auf dieser CD erstmals mit seinen deutschen Kommentaren versehen zu hören. Sie wurden ca. 1953 aufgenommen. Es würde Awe sicher freuen, wenn mit der Veröffentlichung der Aufnahmen auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Menschen inspiriert und ermutigt würden, ihm auf die Reise zur eigenen Stimme und damit zum eigenen "Selbst", zu folgen.

Ralf Peters - Köln

 

Alfred Wolfsohn

1896 -1962

Alfred Wolfsohn war Gesangslehrer in Berlin, bevor er 1939 vor den Nazis nach London flüchtete. Als Soldat in den Schützengräben des ersten Weltkrieges brachte ihn der Schrei eines sterbenden Soldaten dazu, die Bedeutung und das Potential der menschlichen Stimme zu hinterfragen. In seiner Arbeit mit der Stimme entdeckte er die unaufl”sliche Verbindung zwischen ihr und der Psychologie des Individuums. "Wenn ich vom Singen spreche, verstehe ich es nicht nur als eine künstlerische Tätigkeit, sondern als eine Mäglichkeit und einen Weg zur Selbsterkenntnis". Roy Hart wurde 1947 Schüler Wolfsohns und blieb es bis zu dessen Tod.


 

auf CD in deutscher Sprache: Alfred Wolfsohn berichtet über die Resultate seiner Arbeit an der Stimmerweiterung, Anfang der 50er Jahre. Er illustriert seine Worte mit klanglichen Beispielen seiner Schüler/innen. Eine davon, Marita Günther, spricht eine Einführung zu diesem Tonband, das 50 Jahre nicht gehört wurde und nun zum ersten Male auf einer CD erscheint.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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