"Ich bin" (Auszug)

Track 1 (Er kommt auf die Bühne) Meine Stimme ist Deine Stimme....

Track 2 & 8 Jetzt erkenne ich Dich wieder: Du bist mein Doppelgänger. Du hast mir geholfen. Danke. Dein Lächeln hat mir die Zudringlichen vom Leibe gehalten: Du warst statt meiner präsent, ein Anonymer in einer Menge von Anonymen. Echo der Umwelt. Du lehrtest mich die Technik der Selbstverleugnung. Du standest für mich ein, ein Passepartout, ein Freipaß: weil Du mich vertreten hast, konnte ich unerkannt entkommen. Selbstschutzmaske, dank deren ich überlebe.

Track 3 & 9 (Er geht zum Kind) Ich bin ein Kind geblieben. Ein Kind, das sich nicht wehren kann: immer bereit, Opfer zu sein, Spielball der Launen anderer. Empfindlich gegen jede Kränkung, und doch immer wieder dem ausgesetzt: diese subtilen Foltern, dem Martyrium ein Kind zu sein in einer unkindlichen Welt.

Track 4 & 10 (Er geht zur Mutter) Und da ist sie, die Mutter: Das Weib in mir, das ich verleugne, diese Dirne, die ich ablehne, diese Hündin, die in mir winselt. Unterwürfig, ausweichend, aufgeweicht vor lauter Weiche. Keine Erlösung: keine Entnabelung. Sie behielt mich sich vor: sorgte für mich, schirmte mich ab, umgab mich, hielt mich am Gängelband. Ich muß Dir wehtun, Mutter. Ich muß mich trennen von Dir, um zu leben. Keine Entwarnung, keine Lösung, ich muß Dir wehtun Mutter um zu leben.

"ROY HART in deutscher Sprache"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Track 5 & 11 (Er wendet sich dem Vater zu) Sieh nur, Vater. Er sollte mir ein Vorbild sein, mir zu denken geben. Ein Mann ohne Eigenschaften, ein selbstloser Mann. Er will mein Bestes: suggeriert mir Männlichkeit: Haltung bewahren, unerschütterlich. Haltung bewahren, was auch kommen mag. Sich nur nicht aus der Fassung bringen lassen. Er lehrte mich die großen Gesten des Imponiergehabes, er lehrte mich Laute des Abscheus, der Abschreckung. Er lehrte mich nicht kämpfen, nur drohen und bramarbasieren. Er macht mir Furcht mit seiner fürchterlichen Einsamkeit.

Track 6 Masken. Figurationen meiner selbst, Charaktere meines Charakters, die sich verselbständigen. Ich löse mich auf, bin frei von dieser Obsession, die mich jahrzehntelang quälte. Ich höre Stimmen von meiner Stimme, gestimmt, ich höre mir zu, ich starre im Spiel, das sich abspielt, als wäre es ein Traum meiner selbst. Deine Stimme ist meine Stimme.

Track 7 & 12 (Er wendet sich von den Gestalten ab) Nun da ich frei bin von dieser Obsession, spiele ich noch einmal, was ich nicht wußte, als ich lebte. Nun, da ich gestorben bin, weiß ich mehr von meiner Geschichte als ich ahnte. :// (ab hier noch einmal von vorne)

Mehr als ich ahnte weiß ich jetzt, komm laß´ mich probieren. Du spielst den Ergriffenen. Du. Ja. Und Du? Und Du, Mutti. Was gibt´s denn jetzt? Vater! Was ist los? Du schmeißt.....(?).....Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage.

Track 13 (Chor) Lippen, die sich öffnen. Augen, die sich öffnen. Arme, die sich öffnen. Hände, die sich öffnen.

Track 14 Roy Hart im Interview mit Paul Pörtner

Track 15 Paul Pörtner über Roy Hart

Track 16 Roy Hart: freie Improvisation mit Auszügen aus "Ich bin" und "Biodrame" (franz.)

 

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